Desire and Denial: On Constructing and Contesting Infrastructures
Ambivalente Infrastrukturen
Infrastrukturen sind nicht nur technische Systeme, sondern kulturelle und politische Ordnungen, die gesellschaftliche Prozesse stabilisieren und transformieren. In Anlehnung an Brian Larkins Studie „The Politics and Poetics of Infrastructure“ verstehen die in Desire and Denial versammelten Schriften Infrastrukturen als materielle Manifestationen symbolischer und wirtschaftlicher Projekte und Bemühungen, politische Macht aufzubauen. Sie verkörpern kollektive Wünsche – nach Mobilität, Sicherheit, Kontrolle oder Modernisierung, unter anderem –, die nicht nur Planungsprozesse strukturieren, sondern auch normative Vorstellungen über die Zukunft konstituieren.
Gleichzeitig operieren Infrastrukturen auf der Grundlage von Verleugnung: indem sie systematisch etwa Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit, politische Ausgrenzung und koloniale Kontinuitäten verschleiern. Wie Donna Haraway bereits Ende der 1980er Jahre betonte, basieren techno-wissenschaftliche Ordnungen auf Geschichten von Objektivität und Unschuld – Erzählmuster, die auch die Planung und Legitimation von Infrastrukturen sowie die damit verbundenen Zukunftsvisionen prägen.
Die Beiträge untersuchen dieses komplexe Spannungsfeld und lesen Infrastrukturen nicht nur als Teil der gebauten Umwelt, sondern auch als politisch umkämpfte, kulturell angeeignete und symbolisch aufgeladene Schauplätze sozialer Konflikte.