Kunst, Politik

In Nobody’s Service

Info

180 pages

2026

200mm × 130mm

Taschenbuch

ISBN

9783964360939

Cost

£14.00
Die Publikation dokumentiert und erweitert die Gruppenausstellung IN NOBODY’S SERVICE, kuratiert von Sarnt Utamachote in Zusammenarbeit mit dem un.thai.tled Kollektiv im Rahmen des POLY-Programms in der Galerie Wedding – Space for Contemporary Art in Berlin im Jahr 2024. Durch differenzierte Forschung und Kontextualisierung der Werke der teilnehmenden Künstler:innen schafft das Buch einen kritischen Raum, um die Ausstellung und das Veranstaltungsprogramm als Teil diasporischer künstlerischer Praxis in Berlin und darüber hinaus zu archivieren. Es behandelt historische Verstrickungen, transnationale Migrationsgeschichten sowie die Beziehungen zwischen den Künstler:innen und den sie umgebenden Gemeinschaften. Beauftragte Autor:innen (Lola Abrera, Estelle Araya, Sorayut Aiemueayut, Rosa Castillo und Philipp Lange) tragen Essays bei, die sich mit den individuellen künstlerischen Positionen auseinandersetzen. Migrationsgeschichten von Thailand und den Philippinen in den Westen wurden durch US-amerikanische Einflüsse und Kolonialisierung in der Region geprägt. Die Interessen Westdeutschlands an Tourismus und der Entwicklung von Arbeitsmärkten – im Bereich Sex, Pflege und Reproduktionsindustrie – führten zur Entstehung von Heiratsvermittlungen in Berlin, die Ehemann und Ehefrau zusammenbrachten, zu billigen Haushaltshilfenagenturen in Entwicklungsländern sowie zu Bordellen und Massagesalons in Frankfurt am Main und Hamburg. Hier wurden Körper zu bloßen „Anbieter:innen“ degradiert. Solche unterdrückerischen Räume können jedoch in Orte der Fürsorge, des Trostes und des Wissens verwandelt werden. Der Ausdruck ที่นี่ไม่เปิดให้บริการ spielt mit der Sprache und bedeutet entweder „Dieser Ort ist nicht für Service geöffnet“ oder wörtlich „Für niemandes Dienst“. Die in dieser Publikation vorgestellten künstlerischen und wissenschaftlichen Forschungsprojekte gehen von den extrem gewalttätigen, klischeehaften Bildern aus, die oft auf thailändische und philippinische Frauen- und queere Körper projiziert werden. IN NOBODY’S SERVICE ist eine Weigerung, innerhalb der Grenzen dieser Konstrukte zu agieren, und ein Versuch, Komplexität und Fluidität des Seins zurückzuerobern. Diese Publikation bringt das thailändische Kollektiv un.thai.tled mit philippinischen diasporischen Künstler:innen zusammen und ermöglicht so, dass die Vergangenheit, verflochten mit der Gegenwart, als Material für künstlerische Zusammenarbeit dient. Notizen aus Gesprächen, Archivmaterial, Gedichte und Lieder in Thai, Tagalog, Deutsch und Englisch durchziehen dieses Buch. Nach einem kollektiven, interdisziplinären und forschungsbasierten Ansatz verbindet die Publikation künstlerische mit dokumentarischen Praktiken und bietet einen Raum zur Reflexion. Strategien der Selbstorganisation, die in künstlerischen, migrantischen und aktivistischen Räumen entwickelt wurden, dienen als Werkzeuge für Widerstand, Empowerment und kollektives Handeln.