Le Nemesiache: Mythologische Rituale zurückerobern ist die erste Monographie, die der neapolitanischen feministischen und pazifistischen Künstlerinnengruppe gewidmet ist. Gegründet 1970 von der multidisziplinären und visionären Künstlerin und Schriftstellerin Lina Mangiacapre, förderten Le Nemesiache eine experimentelle künstlerische Praxis und eine Lebensweise, die in Feminismus, Mythologie, Volksmärchen, Science-Fiction und radikaler Vorstellungskraft verwurzelt ist, und führten Anfang der 80er Jahre den Begriff „Transfeminismus“ ein. Im Laufe ihrer jahrzehntelangen Praxis griff die Gruppe eine androgynous Mythosophie auf, um Kunst als bloße Repräsentation zu überwinden und das Weibliche als moderne Identitätskategorie herauszufordern. Ihr unverwechselbarer transformativer Ansatz innerhalb der italienischen und westlichen feministischen Kunstgeschichte führte nicht nur zur Entstehung einer interdisziplinären Praxis – die Film, Performance, Schreiben, Rituale, Poesie, Musik, Collagen, Kostüme, Proteste und Konferenzen umfasst – sondern auch zur Schaffung einer neuen politischen Sprache, die auf kosmologischer Kreativität und Gerechtigkeit durch mythologische Rituale basiert.
Unveröffentlichte Dokumente, Bilder, Fotografien und Manifeste über die Gruppe werden von neuen kreativen, politischen und historischen Beiträgen begleitet, die die kollektive Freude an der Geschichte von Le Nemesiache heraufbeschwören, um dem Mythos wieder eine Bedeutung in der Welt zu geben, ihn neu zu schreiben und zu verkörpern.